“Give me your hand brother!”
Eine Woche ist vergangen nachdem ich vom Flughafen abgeholt wurde. Alles ist gut soweit und ich bin froh und happy hier zu sein. Es ist schön zu merken, dass man sich ehrlich freut, dass ich hier bin. Mein Job bei “MIAGI - Music Is A Great Investment” beeinhaltet die Vorbereitung zweier grosser Tourneen. So reist das MIAGI Youth Orchestra gemeinsam mit der MIAGI Youth Big Band Mitte August für 10 Tage nach Deutschland, um dort zwei Konzerte in Kassel und Berlin zu geben (bald mehr Infos). Frisch zurück in Afrika kommt dann Anfang September das Bundesjugendorchester und das Bundesjugendjazzorchester für zehn Tage und fünf Konzerte nach Südafrika.
Gearbeitet wird im State Theatre von Pretoria. Ein grausliges Gebäude mit 12 Stockwerken mitten in der City. Wenn ich nicht mit dem Auto abgeholt werde, mache ich mich früh morgens auf den Weg und nehme entweder den Bus, auf den nicht so Verlass ist, oder halte eines der vielen ständig um Kundschaft hupenden Minibustaxis an. Dort quetscht man sich dann gut gelaunt in besten Zeiten zu zehnt hinein, gibt die 10 Rand (90 Cent) dem Nachbarn in der Hoffnung, dass sie irgendwann den Fahrer erreichen und überlässt sich seinem Schicksal. Sie fahren wie die Teufel! Nebenbei wird der Haushalt erledigt: Es wird gefrühstückt, das Radio repariert oder an der nächsten Ampel fürs Mittagessen eingekauft. Es ist ein grosser Spass und die gute Laune stets ansteckend.
Wenn ich mich zur Mittagspause in eines der Restaurants in der Innenstadt aufmache, quillt die Stadt fast über vor lauter Autos und Menschen. Ich tauche gerne ein in das Chaos und die Menschenströme, die sich durch die Strassen schieben. Gemüsehändler schreien um ihre Bananen, jungen Frauen werden die neusten Frisuren angepriesen und als Handyloser kann man an der nächsten Ecke für ein paar Rands mit alten Drehtelefonen die Liebste erreichen. Zwischendrin der ein oder andere fein gekleidete Businessmann. Aber auch lange Schlangen mit Frauen und Kindern, die geduldig vor den Essensausgaben warten. Und darüber schwingend: Das ewige Hupen der Minibustaxis.
Wenn ich gegen halb fünf aufbreche bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich gehe vielleicht noch etwas einkaufen, oder einen Kaffee trinken, doch spätestens um sechs bin ich zu Hause. Die Dunkelheit kommt jetzt im Winter ziemlich schnell und alleine, ohne Auto sei es einem nicht geraten, einen Fuss vor die Tür zu setzen, so sagt man. So bin ich natürlich ziemlich vorsichtig und auch tagsüber häufig misstrauisch. Doch beizeiten nervt es mich. Möchte ich doch lieber auf mein Situationsgefühl vertrauen als auf irgendwelche Statistiken. Irgendwo dazwischen liegt wohl der berühmte Mittelweg… Glücklicherweise haben einige Mitbewohner Autos, sodass wir abends durchaus nochmal was trinken gehen.
Jetzt wird es Zeit. Das Feuerchen ist aus und die Füsse werden kalt. Am Montag geht es dann für eine Woche nach Maputo nach Mozambique auf den “Euro-African Campus for Cultural Cooperation”. Ich freu mich…
Auf bald!